Unser Dorf hat Zukunft

Verkauf des städtischen Gebäudes: Neue Zukunft für „Alte Menage“ in Müsen

Bereits seit 2004 war das ehemalige, 1856 errichtete Zechenhaus der „Grube Stahlberg“ und spätere Heimatmuseum in Müsen nur noch ein Lagerraum, seit 2010 steht es leer, seit über 10 Jahren hat die Stadt Hilchenbach versucht, das 1986 komplett unter Denkmalschutz gestellte Gebäude zu veräußern und rund 30 Interessenten haben zwischenzeitlich abgesagt – eine traurige Geschichte für ein ortsbildprägendes, historisch bedeutendes Gebäude, die nun endlich ein gutes Ende gefunden hat: Die Stadt Hilchenbach hat die sogenannte „Alte Menage“ verkauft.

Der historische Begriff "Menage" beschreibt ein Gebäude, das als Unterkunft und zur Verpflegung lediger Arbeiter im Sinne eines Arbeiterwohn- und auch -schlafhauses dient.

Bürgermeister Holger Menzel war bei seiner Bestätigungsunterschrift des Kaufvertrages und der offiziellen Schlüsselübergabe die Freude hierüber deutlich anzumerken: „Der Verkauf ist ein ganz besonders guter Moment für die Stadt Hilchenbach und für Müsen.“

Seine große Freude gilt aber nicht nur dem Verkauf, sondern besonders der Tatsache, wer die „Alte Menage“ gekauft hat: „Wir haben mit Rainer Fränzen einen Käufer aus dem Ort gefunden, der sich mit viel Herzblut dem Gebäude annimmt. Ich bin jetzt schon auf die Umsetzung seines außergewöhnlichen Nutzungskonzeptes gespannt.“

Interessantes Konzept für die „Alte Menage“

Tatsächlich will Rainer Fränzen neue Veranstaltungen und Aktivitäten in Hilchenbach anbieten: „Im Untergeschoss möchte ich einen 'Escape-Room' einrichten und auch Menü-Theater, also eine Art Krimi-Dinner, veranstalten.“ Für die letztgenannten Veranstaltungen wird Rainer Fränzen eine der wenigen Umbaumaßnahmen vornehmen, um einen Salon für diesen „Event“ zu schaffen.

Wegen des Denkmalschutzes sind ohnehin alle Maßnahmen zwangsläufig mit dem Westfälischen Amt für Denkmalpflege abzustimmen. Sein Konzept hat Rainer Fränzen der Behörde beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) allerdings bereits zuvor in einem Ortstermin am 12. Januar 2016 vorgestellt und Zustimmung erhalten. Die vorgesehenen Maßnahmen hat der LWL für grundsätzlich denkmalverträglich befunden, zumal Rainer Fränzen sehr daran gelegen ist, die Kernsanierung so nah wie möglich an den ursprünglichen charakterlichen Merkmalen zu orientieren, so dass der Denkmalwert weiterhin deutlich wird. Diese Wertschätzung für das historische Gebäude merkt man auch daran, dass der engagierte Müsener sogar die Gauben im Erscheinungsbild um 1900 wiederherstellen möchte.

Natürlich merkte Rainer Fränzen auch an, dass er sich ein „Mammut-Projekt“ ausgesucht hat, denn die „Alte Menage“ ist stark sanierungsbedürftig. Mit sehr viel Eigenleistung und einem Netzwerk von Helfenden will er diese Herausforderung in den nächsten Jahren bewältigen.

Neben der Einrichtung der eigenen Wohnung und einer Mietwohnung möchte Rainer Fränzen die „Alte Menage“ in den oberen Etagen auch als Firmensitz für sein Film - und Videodienstleistungs-Unternehmen „Und Action!“ nutzen (www.undaction.org). Das benachbarte Stahlbergmuseum wird weiterhin die Toilettenanlage im Gebäude nutzen und auch ansonsten sieht Rainer Fränzen das Museum als Kooperationspartner zum Beispiel bei Veranstaltungen.

In der „Event-Location“ im Erdgeschoss kann sich Rainer Fränzen die unterschiedlichsten Besucher vorstellen: „Ich möchte Angebote sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene machen. Zum Beispiel können auch Schulklassen oder Firmen spezielle Veranstaltungen von mir durchführen lassen. Auch eine Trauung in der außergewöhnlichen Umgebung kann ich mir vorstellen. Wichtig ist mir letztlich, dass sich die Menschen wohlfühlen und etwas Besonderes erleben können.“

Seit rund 18 Monaten arbeitet Rainer Fränzen an dem Nutzungskonzept für die knapp über 500 qm und besonders an der Finanzierung. Ganz so lange soll es nun nicht dauern, bis er erste Veranstaltungen anbietet.

Bis die Baumaßnahmen abgeschlossen werden, ist allerdings Geduld gefragt, denn diese kann Rainer Fränzen nur Schritt für Schritt durchführen. Der sehr große Sanierungsstau und die Notwendigkeit einer denkmalverträglichen Verwirklichung mit Kosten weit über dem Wert des Grundstücks sind auch der Grund, warum der Hauptausschuss der Stadt Hilchenbach als Kaufpreis nur den symbolischen einen Euro im Jahr 2016 einstimmig beschlossen hatte.

So froh die Stadt Hilchenbach ist, endlich einen geeigneten Käufer gefunden zu haben, so sehr sieht Bürgermeister Holger Menzel die Stadtverwaltung in der Pflicht, Rainer Fränzen bei seinem „Mammut-Projekt“ weiter zu unterstützen: Ich kann mir gut vorstellen, dass wir Förderungen im Rahmen des Denkmalschutzes oder des Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzeptes für die notwendigen Baumaßnahmen einsetzen.“ Diese Zusage stärkte den Optimismus von Rainer Fränzen, der betonte, dass die Unterstützung durch die Stadtverwaltung schon in den vergangenen Monaten vorbildlich war.

Nicht zuletzt sind die Beseitigung des Leerstandes in der Dorfmitte und eine attraktive zukünftige Nutzung des ehemaligen Zechenhauses „Alte Menage“ auch ein wichtiger Baustein bei der Teilnahme von Müsen im Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ im Jahr 2017.

Bleibt die Frage: Was ist eigentlich ein „Escape-Room“?

In einem Raum wird eine Gruppe eingeschlossen. Durch gemeinsames Lösen von Aufgaben und Rätseln können sich die Gefangenen befreien. „Gelingt dies nicht innerhalb eines vorgesehenen Zeitraums, zum Beispiel einer Stunde, wird trotzdem wieder aufgeschlossen“, beruhigte Rainer Fränzen, denn es geht bei dem Angebot um Spiel und Teamgeist mit einem gewissen Nervenkitzel. Aufgrund dieser Zusage zeigte Bürgermeister Holger Menzel Interesse, sich als einer der Ersten in den „Escape-Room“ einschließen zu lassen.