Rollenspiel im Ratssaal: Angehende Verwaltungsfachangestellte debattieren über Windkraft in Hilchenbach

Kommunale Entscheidungsprozesse verstehen und durchführen. Darum ging es im praxisnahen Schulprojekt, das vom 15. bis 19. Juni vom Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltungim in Kooperation mit den KlimaWelten Hilchenbach durchgeführt wurde. Im Hilchenbacher Ratssaal simulierten 44 angehende Verwaltungsfachangestellte die politische Debatte um ein Großprojekt: den Bau eines Windparks in der fiktiven Stadt „Holzenbach“.

Das von den KlimaWelten Hilchenbach konzipierte Planspiel „Wald und Wind“ fand erstmalig im Rahmen einer digitalen Woche des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung statt und kombinierte digitale Vorbereitung mit einer Präsenz-Sitzung als Höhepunkt. In Kleingruppen erarbeiteten die Teilnehmenden anhand von Fachmaterialien die Argumente für insgesamt zehn Interessengruppen, aufgeteilt in Befürworter, Gegner und neutrale Positionen. Eine zusätzliche Pressegruppe bereitete sich parallel vor, um die verschiedenen Standpunkte journalistisch zu begleiten.

Das Planspiel beruht auf tatsächlichen Daten und Fakten aus der Planungsgeschichte des Bürgerwindparks RothaarWind II in Hilchenbach und hat somit eine besondere Aktualität und Relevanz. Dank der Bereitstellung des Ratssaals durch die Stadt Hilchenbach konnte die abschließende fiktive Bürgerversammlung in authentischer Atmosphäre von den Klimawelten Hilchenbach moderiert werden. Hier wurden die unterschiedlichen Positionen diskutiert und gegeneinander abgewogen. Besonders der örtliche Sportverein positionierte sich als strikter Gegner des Projekts.

Die Vertreter des Vereins äußerten Bedenken wegen einer optischen Verschandelung der Landschaft und befürchteten Lärmbelästigungen beim Außensport. Demgegenüber stand die Fraktion der Stadtverwaltung, die das Vorhaben verteidigen musste. Sie verwies vor allem auf die Notwendigkeit des Klimaschutzes sowie auf die zu erwartenden Einnahmen durch den erzeugten Strom, die letztlich wieder der Bürgerschaft und den Vereinen zugutekommen könnten.

Obwohl die Gegner des geplanten Windparks im Wald klassische Argumente wie den Vogelschutz oder ausbleibende Touristen anführten, zeigten sich die Befürworter gut gerüstet. Sie konterten die Einwände mit Verweisen auf gesetzliche Auflagen zum Artenschutz und die Einhaltung ausreichender Mindestabstände.

Für die Auszubildenden bot das Projekt einen hohen Lerneffekt: Sie erfuhren im Selbstversuch, wie komplex die Berücksichtigung verschiedenster Interessen bei öffentlichen Vorhaben ist. Das Rollenspiel schulte zudem den Perspektivenwechsel und die Fähigkeit zur sachlichen Argumentation – beides wichtige Voraussetzungen für die spätere Arbeit in der Verwaltung. Das Projekt soll auch in den nächsten Jahren in gleicher Form durchgeführt werden.